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1.Februar.1868

Es war ein kalter Tag. Über Norddeutschland tobte in der Nacht ein verheerender Schneesturm. Das Dorf Ottensen verschwand hinter langwehenden Schneefahnen. Mit dem Fuhrmann aus Altona kamen die ersten Nachrichten. Im Hafen sähe es schlimm aus. Etliche Schiffe seien gesunken. Der Morgenzug sei ebenfalls überfällig. Die Zeitungsredakteure saßen auch untätig herum, da die Telegraphenverbindung unterbrochen sei.

In den frühen Morgenstunden öffnete sich die Eingangstür in dem neuen Werkstattgebäude an der Großen Brunnenstrasse. Zwei junge Herren, vermummt in dunkle Überzieher, die Zylinder sturmfest auf dem Kopf gedrückt, verließen das Gebäude und lenkten ihre Schritte durch den Schnee elbwärts zur Vogtei. Sie wollten die Gründungsanzeige ihrer Maschinenfabrik Menck&Hambrock auf dem Amt hinterlegen.

Firmengründer J.A.Menck&A.Hambrock

Seit ihrer gemeinsamen Studienzeit an der technischen Hochschule Fredericiana in Karlsruhe hatten die Freunde nächtelang Pläne geschmiedet. Nun war ihre große Stunde gekommen.

Bereits 1869 stellte das junge Unternehmen Menck&Hambrock seine Erzeugnisse auf der Schleswig-Holsteinischen Landes Industrieausstellung aus. Es wurde ein Erfolg: die 2 PS starke transportable Dampfmaschine mit stehendem Kessel wurde prämiiert.  Die angebotenen Lokomotiven mit 2 bis 20 PS waren ihrer Konkurrenz voraus und man sagte damals: “ Da unsere sparsamen Maschinen nur unbedeutend theuerer zu stehen kommen, als die unvorteilhafteren Maschinen, so sind sie demnach mit vollem Rechte jedem Käufer auf das angelegentlichste zu empfehlen”

Die Dampframme wird in einem Prospekt aus dem Jahre 1871 wie folgt beschrieben: ” Bei diesen Dampframmen wird der Bär durch eine endlose Kette aus flachen Gliedern gehoben. Die Kette wird von der Maschine in ununterbrochener Bewegung gehalten  und der Bär durch das Hineinschieben eines Hakens zwischen die Glieder der Kette in die Höhe gehoben. Durch das Herausziehen des Hakens wird der Bär con der Kette gelöst und fällt auf den Pfahl”.                                Eine weitere  Pionierleistung aus dem Jahre 1876 war der vertikal geschweißte Quersiederdampfkessel. Als erster Kesselhersteller war es Menck&Hambrock gelungen einen garantiert leckagensicheren Kessel zubauen. Schon 1879 verließ der 500ste Kessel das Werk.

Um 1888 begann Menck&Hambrock mit der Entwicklung von Baggermaschinen. Im Werk II, in einer schmalen Hofecke, experimentierten die Konstrukteure mit der “indischen Schaufel”. Ein schaufelförmiges Grabgefäß, dem Schrapper verwandt, wurde mit Windenkraft durch die Erde gezogen. Zwei Jahre später stand ein kübelartiges Grabgefäß mit zahnbewehrter Schneide auf dem Werkhof: der Vorläufer des Löffels für den ersten Menck-Löffelbagger auf Schienen. Im Mai 1894 wurde er mit dem Prospektblatt 63 angeboten.Es war der erste auf dem Kontinent angebotene  Hochlöffelbagger. Das größte Modell mit einem 2 cbm Löffel, baggerte 100 cbm in der Stunde, wog 40 to und  kostete 26200,- Goldmark.

Mit zwanzig Mitarbeitern begannen sie, jetzt schafften 228 in den Büros und Werkstätten. Bunt war die Palette der hergestellten Maschinen: Dampframmen, Dampfmaschinen, Kessel, Kompressoren mit dampfantrieb oder Elektroantrieb, Bergwerkshaspeln, Hebemaschinen, Dampframmbäre, Hafen-und Eisenbahnkräne, Verladebrücken, Greifbagger und die ersten Hochlöffelbagger.

Die Baumaschine begann die kleinen Baustellen zu erobern. Beim Bau der vielen neuen Kanalisationssysteme wurden für das Rammen der Spundwände überwiegend Kleindampframmen mit den Menck-Dampfbären eingesetzt.

Die Werke hatten jetzt Anschluß durch die Eisenbahn erhalten.

Im Jahre 1895 verlor Adolf Menck seinen Freund und Teilhaber Diedrich Alexander Hambrock. Menck`s Söhne Hans und Carl kamen nach dem Studium 1897 ins Werk. Die Firma Menck&Hambrock wurde eine GmbH. Die technische Leitung oblag Hans Menck und die Führung des kaufmännischen Teiles mit den Außenstellen in Berlin, Düsseldorf, Leipzig, Mannheim sowie München und den Vertretungen in Holland, Frankreich, Luxemburg, Norwegen und Russland oblag Carl Menck.       

1901 Die ersten Hochlöffel-und Universalbagger mit Dampf-oder Elektroantrieb verließen das Werk. In den Zeitungen hieß es dazu: “Erste Firma auf dem europäischen Kontinent, die Bagger mit gebremster Löffelklappe baut”.

1908 Verkauf des 100. Löffelbaggers und des 4000. Kessel. Schon 1914 wurde der 500 Löffelbagger verkauft. Die Bagger werden immer größer. Der größte wog 150 to.

1919 starb der Firmengründer Johannes A.Menck, seinen Söhnen ein großes Erbe in schwerer Zeit hinterlassend.

Die Belegschaft wuchs auf 1200 Mitarbeiter an. Es wurde sogar ein Kinderheim , der Viktoriastift, später die Kantine im Werk II erworben.

Das Produktionsprogramm wurde bereinigt, übrig blieb ein Baumaschinenprogramm, das sich in den kommenden Jahren allen Schwierigkeiten zum Trotz Weltruf erwarb. Raum für den Bau einer neuen Menck-Baggergeneration war geschaffen. Die Zeit der Menck-Universalbagger M II bis MIV mit Dieselantrieb begann. Dazu kamen die ersten in Serie gebauten Menck-Spezial-Steinbruchbagger  Modell “B bis E” mit bis zu 3,3 cbm Löffelinhalt, angetrieben von Dampfmaschinen oder  Elektromotoren. Im Rammenbau erwiesen sich die halbautomatischen Menck-Dampfbäre bis zu 5000 kg Fallgewicht als ein großer Erfolg.

Hans Menck erhielt als Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung der Baumaschinen, den Grad eines Dr.Ing.e.h. von der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg verliehen. Er starb unerwartet im Jahre 1930.  1935 starb auch Carl Menck. Die Geschäftsführng übernahm der langjährig als Betriebsleiter tätig gewesene Dipl.Ing.A.Vogler.

Nach 1933 wurden die auf Einmotorenantrieb zugeschnittenen Universalbagger Modell “Mo bis Md”, bei denen auch die Elektro-Schweißtechnik für Stahlkonstruktionen angewandt wurden, gebaut.

1937 hatte Menck 1475 Mitarbeiter und das Produktionsprogramm las sich wie folgt: Bagger, Flachbaggergeräte, Dampf-und Dieselrammen, Dampf-und Dieselbäre

Die in zahlreichen deutschen Steinbrüchen eingesetzten Elektrobagger “DN und EN” wurden ab 1938 gebaut.

Sonntag, der 1.Februar. Noch 141 Tage waren bis zur großen Wende, der Währungsreform am 20.Juni, zu überstehen. Die Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, die tägliche Suppe im Topf und der Arbeitsplatz im Werk, nur das zählte. Jeden zehnten Mitarbeiter hatte der Soldatentod ereilt, zwanzigtausend Quadratmeter Trümmer lagen in den vier Werken.

Das war das Erbe der dritten Generation der Gründerfamilie, das 1946 der Enkel Dipl.Ing. Walter Cordes als Geschäftsführer übernahm, unterstützt von dem Schwiegersohn Carl Mencks, dem Dipl.Ing.Adolf Vogler. Hatten die Söhne des Werkgründers noch die Umstellung von der allgemeinen Maschinenfabrik zum führenden Werk als Baumaschinenhersteller erreicht, so ist es das Verdienst A.Voglers, die Menck&Hambrock Gmbh über die folgenden schwierigen Jahre gebracht zu haben.   Ab 1946 wurden wieder Bagger gebaut, darunter den ersten Menck-Steinbruchbagger “DN”. Das Rückgrat der Produktion in jenen Jahren war jedoch der Leichtkran (Lk) 46, zuerst auf Schienenunterwagen, dann auf Raupenfahrwerk.  Mit diesem Gerät wurden Städte aufgeräumt, Torf für Heizzwecke gewonnen und die jahrelang vernachlässigten Entwässerungsgräben geputzt.

1948 war es dann soweit: beispielhaft neukonstruierte Menck-Universalbagger auf vierachsigen Unterwagen mit breiten Raupenbändern, verstärkten Diesel-oder Elektromotoren, größeren Reichweiten und Grabgefäßen als je zuvor, erschienen auf dem Markt.Sie wurden die würdigen Nachfolger der legendären  Baggerreihe Mo, Ma, Mb, Mc.

Neuzeitliche Fertigungsmethoden wurden eingeführt und der Bau von Flachbaggern vorangetrieben. Planiereinrichtungen für Raupenschlepper machten von sich Reden, Menck-Schürfwagen tauchten auf den Autobahnbaustellen auf, Bodenentleerer auf Raupenfahrwerk gesellten sich dazu, sowie die Vorläufer der Menck-Schürfkübelraupe stiessen sich die Hörner ab. Der Menck-Kunden-und Ersatzteilservice wurde verbessert, er erhielt einen eigenen Werksteil zugewiesen und die kostenlose Menck-Geräte-Inspektion wurde eingeführt.

Nach 1948 kamen in der zeitlichen Reihenfolge die Universalbagger  M 150, C 250, M 75, M 250, M 60 und M 40 auf den Markt. Als Steinbruchbagger kam 1961 ein neues Modell “DN2” hinzu, daß auf Kundenwunsch abgewandelt geliefert wurde, mit bis zu 4,5 cbm Löffelinhalt.

Die Anzahl der Belegschaft stieg auf 2100 (1963) Mitarbeiter. Infolge vieler Weiterentwicklungen und Neuerungen umfaßte das Menck-Bauprogramm dann, z.B. 1965 folgende Geräte: M 60, M 60 SC/LC, M 90, M 154, M 251, C 251, C 252/3, D 360, DN, DN2, SR 53, Mr 18, MR 27, MR 40, MR 60, MR 100, Schnellschlagbäre, Vibrationsbäre, halbautom. Rammbäre, mechanische/hydraulische Rammeinr. für M 60, M 90 und M 154

Im April 1966 wurde eine Zusammenarbeit mit der Koehring Company aus Milwaukee vereinbart. Koehring übernahm die in Familienbesitz befindlichen Gesellschaftsanteile (Anteil 69,52 %). Durch diese Zusammenarbeit sollten neue Märkte erschlossen und neue Produkte vertrieben werden (Hydraulikbagger). Leider war den hydraulischen Baggern aus Amerika kein grosser Erfolg beschienen.

1968  HUNDERT JAHRE MENCK!!!                                                                                                                                  

 Der letzte der Familie Menck Ing. Walter Cordes verließ zum 31.12. die Firma.

Menck versuchte ab 1971 mit selbstentwickelten Hydraulikbagger sein Glück. Die Bagger waren sehr robust, aber da Menck diese Entwicklung quasi verschlafen hatte, waren die Kunden bei der Konkurrenz fündig geworden. Mit den Seilbaggern allein war Menck einfach nicht mehr Konkurrenzfähig. Und so endete die Geschichte der Firma Menck&Hambrock GmbH im Jahre 1978.

Der Nachfolger wurde die Menck GmbH, die bis heute Rammbären für verschiedene Zwecke (Offshore-Onshore) anbietet ( siehe auch Site “Menck nach 1978”)