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Erinnerungen an Menck&Hambrock von Michael Peick

Was mein Arbeitsleben angeht, war ich nur eine kurze Zeit bei Menck & Hambrock. 

Vom 01.04.1964 bis zum 30.09.1967 habe ich dort meine Lehre als Maschinenschlosser gemacht.   Außer Modellbau und Gießerei (für ein Studium war es damals erforderlich) hat man alles kennengelernt. Ich hätte es nirgends besser treffen können. Es herrschte in allen Abteilungen ein gutes Betriebsklima. Vom 01.10.1967 bis zum 28.06.1968 habe ich nach meiner Lehre als Geselle in Werk 5 Hydraulikbagger montiert. Wir haben dort insgesamt etwa mit 8 bis 10 Mann gearbeitet.

Am 02.01.1968 hat mich dann für 18 Monate das Vaterland gerufen.

Nachdem ich die Zeit ganz gut überwunden hatte, bin ich am 01.01.1970 wieder bei den Hydraulikbaggern vom Typ M 150 H eingesetzt worden. Zwischendurch habe ich auch in einer Ecke unserer Halle Reparaturarbeiten an Schürfkübelraupen durchgeführt. Die Arbeiten bezogen sich hauptsächlich auf Richtarbeiten am Kübel und Erneuerung der Raupenketten.

Wenn ein M 150 H fertig war, kam er auf einen Tieflader und es ging für 3 Tage in die Vinsberge nach Bahrenfeld (in der Nähe vom HSV–Fußballstadion). Hier wurde zu der Zeit gerade die A7 gebaut. Der Unterboden dort bestand nur aus gelben Sand. Mit einem jugoslawischen Kollegen zusammen, habe ich dann gelben Sand von links nach rechts und wieder zurück geschaufelt. Ab und zu kam ein Richtmeister vorbei und hat eine kleine Zwischenkontrolle gemacht. Nach drei Tagen machte er dann auch die Entabnahme. Aufgetretene Leckagen oder andere Beanstandungen wurden dann im Werk beseitigt. Das war soweit alles schön und gut, bis ein mittelständischer Unternehmer für Erdbauarbeiten (heute ist er ein ganz Großer) unseren Richtmeister angesprochen hat, ob wir nicht unter Einsatzbedingungen seine LKW`s beladen wollen, um den Bagger so einmal richtig testen zu können. Der Richtmeister war damit einverstanden und gab sein ok. Der Unternehmer stellte seinen alten M 90 Seilbagger an die Seite und wir oder besser gesagt ich, konnte im Akkord die LKW`s beladen. Mein Kollege war nicht in der Lage unter Einsatzbedingungen den Bagger zu bedienen. Am zweiten Tag wurde es mir dann zu viel. Die LKW-Fahrer saßen mir im Nacken, denn sie fuhren ja im Akkord, ich aber bekam den Monatslohn eines Gesellen und nicht den eines Baggerfahrers, welcher um einiges höher war. Ich telefonierte mit meinem Meister und bat ihn um einen zweiten Kollegen der den Bagger fahren kann und mich auch einmal ablösen könnte. Die Antwort lautete, er habe keinen. Ich habe mich daraufhin beim Bauleiter abgemeldet, bin mit dem Bagger an meine alte Wirkungsstätte gefahren und habe wieder Sand geschaufelt. Das hat mir mein Meister nicht vergessen und so gab es später natürlich auch keine Gehaltserhöhung.

Meine Konsequenz war die Kündigung zum 31.03.1971 bei Menck. Am 19.04. 1971 fing ich bei Unilever in einem Fettsäure- und Glyzerinwerk als Betriebsschlosser an. Das Werk befand sich zwar ganz in Bergedorf, aber das Geld und das Arbeitsklima waren gut. Es gab 14 Monatsgehälter, bei geplanten Überstunden 25 % und bei nicht eingeplanten Überstunden 50 % Zuschlag und ein Essen aus dem in der Nähe befindlichen Imbiss. 

Im November 1971 kam eine Anfrage der Firma Menck, ob ich nicht wieder bei ihnen zu guten Konditionen anfangen möchte. Sie baten mich, mit ihnen in Verbindung zu treten. Gesagt, getan. Die Voraussetzungen waren gut und so bin ich am 1.1.1972 wieder in meiner alten Abteilung angefangen. Die Arbeit und das Klima war unter den Kollegen noch immer gut, nur der Umzug nach Ellerau, vor den Toren Hamburgs, warf seine Schatten voraus. Irgendwie hatte die Firma durch die Übernahme des Koehring Konzerns im Sommer 1966 einen Knacks bekommen. Viele Kollegen wurden entlassen. Wenn ich mich recht erinnere, ist keiner von den Lehrlingen, die im Herbst mit der Lehre fertig waren, übernommen worden. Der Betrieb wurde in allen Abteilungen erheblich gestrafft. Da die Abteilung für Hydraulikbagger erst bei der Übernahme durch Koehring entstanden war, hatte sich hier für uns arbeitsmäßig nichts geändert. Viele fühlten sich nach der Übernahme nicht mehr so als Menck´er , sondern mehr als Maschinenschlosser in einem guten Kollegenkreis. Ich selber sah mich schon in Ellerau mit allen Abteilungen in einer großen Halle arbeiten, von oben durch ein oder zwei gehobenen Angestellten beobachtet. Es hieß für mich also wieder Abschied nehmen.

Am 26.5.1972 habe ich dann mit einem weinenden und einem lachenden Auge Menck & Hambrock verlassen.

Was geblieben ist, ist die Erinnerung an eine im Großen und Ganzen schöne Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte. Beruflicher Anhang. Vor dem Werk 3 befand sich eine Feuerwache. Dort habe ich mich erkundigt, wie ich Feuerwehrmann werden kann. Ich habe mich also bei der Hamburger Berufsfeuerwehr beworben und bin genommen worden. Nur dass man dabei auch Rettungswagen in Hamburg fahren muss, habe ich gar nicht so richtig bewusst wahrgenommen. Ich konnte damals nämlich absolut kein Blut oder sonstige Unfälle sehen. Zum Glück bin ich aber dabeigeblieben, denn heute muss ich sagen, es gibt wohl kaum einen zweiten Beruf der so vielseitig und interessant ist.

1. Lehrjahr 1964 home

Erstes Lehrjahr 1964. Wer erkennt sich noch, bitte melden!!

Was ist sonst noch von Menck hängengeblieben?

Der Würfel:

Der Würfel hätte beinahe meine Lehre beendet. Laut meinem Berichtsheft habe ich insgesamt 12 Tage mit ihm zugebracht. Einen Metallwürfel von 47 mm auf 43 mm feilen und dazu müssen auch noch alle Winkel stimmen, dass war zu viel für mich. Nach dem 4. oder 5. Tag wollte ich nicht mehr zur Arbeit gehen.

Mein Vater hat daraufhin mit Herrn Schweizer gesprochen.

Der hatte zu meinem Glück Verständnis dafür. Ich durfte dann für einige Tage etwas anderes machen. 

Meißeln:

Herr Rückstein hat versucht uns das Meißeln beizubringen.

“Schau mal, du darfst nicht auf den Kopf, sondern nur auf die Schneide sehen”.

Nach der Mittagspause konnte ich mit der linken Hand noch nicht einmal mehr den Meißel halten. Er hat es aber geschafft. Wenn ich später im Einsatz einige Kollegen dabei gesehen habe, stellten sich meine Nackenhaare auf. An wen habe ich dann immer gedacht? Natürlich an Herrn Rückstein.

Wir müssen mal:

In der Wareneingangskontrolle habe ich während meiner ganzen Lehrzeit den einzigen internen Ärger mit einem Gesellen gehabt. Der Satz – wir müssen mal - , ist mir heute noch in Erinnerung. Kaum hatte der Geselle es ausgesprochen, war er auch schon spurlos verschwunden und ich stand mal wieder alleine mit der Arbeit da. Erst als mir der Kragen platzte und es zu einem heftigen Disput kam, wurde es besser.

Hotze:

Auf dem Hof in Werk 1 waren oft im Eingangsbereit zur Halle Gitterausleger aufgestapelt. Ein Hilfsarbeiter war öfter dabei, sie mit einem langstieligen Pinsel anzustreichen. Was ich nicht wusste, der Mann hatte eine Krankheit. Er schrie dann auf einmal und ohne Vorwarnung mehrmals ganz laut Hotze und fuchtelte unkontrolliert mit langstieligen Pinsel durch die Gegend. Beim Vorbeigehen hat er mich öfters angesprochen und machte dann einen normalen Eindruck. Als ich es das erste Mal so einen Anfall erlebte, habe ich mich als Stift ganz fürchterlich, zur Belustigung der anderen Kollegen, erschrocken. Seitdem habe ich immer auf genug Abstand bei einer Unterhaltung mit ihm geachtet.

Kündigungen:

Mein erstes Erlebnis dieser Art, was mich in meinem Verhalten zu Vorgesetzten für mein weiteres Leben geprägt hat. Bei Menck hatte fast jede Abteilung und wenn sie noch so klein war, einen eigenen Meister.

Nach der Übernahme durch den Koehring Konzern, Mitte der 66er Jahre, war das vorbei. Es gab für alle fünf Werke zwei leitende Ingenieure. In Werk 2 für die Dreherei, und bei uns in Werk 5 gab es auch noch einen Meister. Wie es in Werk 1 und 3 war, weiß ich nicht mehr. Es geschah in der zweiten Jahreshälfte 1966 im Stahlbau Werk 3. Dass es schlecht aussah wusste jeder, aber was dann geschah, setzte allem die Krone auf. Der für den Stahlbau und Schweißerei zuständige Ingenieur ging durch die Halle, machte bei etlichen Kollegen kurz stop, übergab einen Briefumschlag und ging dann wortlos weiter. Zuerst habe ich mir in meinen jungen Jahren gar nichts dabei gedacht, erst als ich einige Kollegen mit nassen Augen sah, wusste ich was passiert war. Man hatte ihnen wortlos gekündigt. Es waren etliche alte Kollegen darunter, welche schon in der zweiten Generation bei Menck waren. Zum Schweißen braucht man doch keine jungen Leute, sondern welche, die ihr Handwerk verstehen waren meine Gedanken und dann eine Kündigung auf solche Art und Weise.

Ich habe es damals einfach nicht verstehen können und das Verhalten des Vorgesetzten kann ich bis in die heutigen Zeit nicht begreifen!